Geben ohne Erwartungen führt uns zur Quelle des wahren Glücks
Vor Jahren traf ich einen Mann, dessen Lebensgeschichte mich tief berührt hat. Es sind diese wenigen Momente im Leben, die uns einen tiefen Einblick in die wahre Essenz unseres Daseins bieten.Der Mann war verheiratet mit einer Frau, die das Leben sehr genossen hatte, eine Lebedame. Sie hatten zwei gesunde Söhne, die er über alles liebte. Sein Glück schien vollkommen! Um seiner Familie alles bieten zu können, ging dieser Mann neben seiner eigentlichen Arbeit noch einem zweiten Beruf nach; alles zum Wohle seiner beiden Söhne, denen er ein Leben bieten wollte, das er selber nie kennen lernen durfte.
Durch seine Beharrlichkeit, seinen Fleiß und seine Liebe hatte sich sein Traum erfüllt und seine Söhne konnten eine der besten Universitäten besuchen. Das war der Lohn für all seine Arbeit. Sein Herzenswunsch war, dass seine Söhne die besten Voraussetzungen hatten ihr Leben zu formen.
Die Jahre waren verstrichen, und seine Frau, die ihn während der ganzen Zeit belogen und betrogen hatte, hatte sich von ihm getrennt. Eine Welt war für ihn zusammengebrochen, alles was er je liebgewonnen hatte, schwand wie Sand durch seine Hände.
In diesem Trennungsschmerz kamen niedrige Emotionen zur Geltung. Die Frau versuchte mit allen Mitteln die Kinder zu gewinnen, was Ihr auch letztendlich gelungen war. Der Vater blieb mit wenigen Worten zurück. Er bezog eine kleine Wohnung von 30m². So riss das Band zwischen Vater und seinen geliebten Söhnen jeden Tag mehr. Dennoch verspürte er ein tiefes Gefühl von Glück. Denn sein innigster Wunsch hatte sich erfüllt. Er konnte seinen Kindern das Studium bezahlen und so haben beide ein abgeschlossenes Medizinstudium erworben.
Dennoch merkte er, dass den Söhnen von jeher das Geld wichtiger war als jeder Kontakt zu ihm. Auch wenn ihm dadurch nur so viel Geld übrig geblieben war um seine Grundbedürfnisse zu decken, hörte er nicht damit auf Sie weiter zu unterstützen.
Es blieb die stille Hoffnung in ihm, dass die Kinder mit zunehmendem Alter wieder zu ihm finden würden. Denn seine Liebe zu seiner Familie ward nie erloschen.
Seine Frau hat wieder geheiratet. Der neue Mann stellte sich nach kurzer Zeit als ein Hysteriker heraus und das Zusammenleben wurde immer unerträglicher, bis Sie schließlich die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommen hatte. Ihr Exmann durfte Sie während der ganzen Behandlungszeit nicht besuchen. Als die Ärzte sie schließlich aufgegeben hatten und ihr Leben an einem dünnen Faden hing, erwachte in ihr der Wunsch, ihren Exmann wieder zu sehen. Durch die vielen Krankenhausaufenthalte hatte Sie viel Zeit, über Ihr Leben nachzudenken. Nun, wo sie merkte, dass es zu Ende ging, wollte sie sich bei ihm für alles entschuldigen, was sie ihm angetan hat. Seine Antwort darauf war: „es gibt nichts zu verzeihen, denn ich habe dir schon lange verziehen, ob du es wolltest oder nicht.“
Für mich besteht der Krebs nicht nur aus Tumoren und Metastasen, diese sind nur Abfallprodukte. Krebs ist für mich ein Fehler im funktionalen Programm eines biologischen Systems, wodurch Krebszellen erzeugt werden. Im allgemeinen wird eine Fehlfunktion im Körper auf der physischen oder psychischen Ebene durch ein chronisches Energiedefizit erzeugt.
Kummer baute sich schleichend in dem Mann auf, und durch das unterdrückte Leiden zog auch er in kürzester Zeit selber eine schwere Krankheit auf sich. Er litt an chronischem Asthma, das von Tag zu Tag immer schlimmer wurde. Monate verbrachte er alleine im Krankenhaus, die Ärzte hatten ihn bereits aufgegeben. Seine Söhne konnten selbst jetzt keinen Weg zu ihm finden und so kamen sie nicht einmal, ihn dort zu besuchen. Sie waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
In dieser Zeit nahm er Kontakt zu mir auf, denn er spürte, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Stunden habe ich mit ihm verbracht und einfach nur zugehört. Tief berührt von seiner Lebensgeschichte verstummte ich immer mehr, aber mein Herz öffnete sich und eine tiefe Bewunderung überkam mich.
Es sind diese unbekannten Helden in unserer Gesellschaft, die für uns alle ein Vorbild sein sollten. Wir alle können daraus lernen. Ich werde nie vergessen können, wie seine Augen leuchteten, wenn er von seiner Familie sprach. Trotz aller negativen Erfahrungen war seine Liebe bedingungslos und ohne jegliche Erwartungen. Das füllte sein Herz und machte ihn frei, und ich half ihm dabei, in Frieden loszulassen und gehen zu dürfen.
Vergessen werde ich ihn jedoch nie! Dieser Mensch war für mich ein Geschenk Gottes, so wie auch jeder Augenblick, den ich mit ihm teilen durfte, ein Geschenk war. Diese Geschenke sind überhaupt die tiefsten Geheimnisse in unserem Leben.
Wir tun im Leben viele Dinge um der Liebe wegen, und ganz allmählich lässt diese Liebe den Verstand und das Herz dahin schmelzen, bis nichts mehr übrig bleibt als die Liebe. Es gibt nichts sonst, woran wir festhalten können. Das ist die wahre Freiheit und alle Schleier lüften sich.
Diese Begegnung war für mich eine gewaltige Lehre.
In einem der wenigen Telefongespräche zwischen dem ältesten Sohn und seinem Vater hat er geäußert, dass er ihn nicht seiner Gesellschaft vorstellen kann, denn er schäme sich für seine Wurzeln und sein Vater habe keinen akademischen Grad, denn er sei ein sehr einfacher Mensch.
Wenn ich heute noch an diese Begegnung denke, frage ich mich, wie ich wohl in seiner Situation reagiert hätte. Könnte auch ich diese Kraft, Geduld und Liebe fühlen und verstehen? Ich glaube es nicht, und in diesem Moment spürte ich, wie weit er mir in den Punkten Emotionen und Gefühle voraus war.
Vielmehr war er der Überzeugung, dass jeder seine eigene Welt in sich trägt, die er sich selbst gestaltet. Manchmal frage ich mich, wie viele Welten existieren überhaupt neben einander, ohne sich je gegenseitig zu begegnen oder zu verstehen? Seine Welt war voller Liebe, Aufmerksamkeit, Pflichtbewusstsein und Demut. Wie ein eiserner Kaiser, der nur seinem Ziel folgt.
Die Lehre liegt im Zuhören, denn man lernt niemals, wenn man nur den Klang seiner eigenen Stimme vernimmt. Der betäubt nur die Ohren und vernebelt den Geist.
Doch alle Probleme sind wie kleine Wunder, diese Probleme bringen dir Weisheit und Veränderungen. Er sagte zu mir, wenn man lacht, ist es wie eine göttliche Übung auf dem Weg in das eigene Herz zurück.
Aus den privaten Unterlagen des Vaters haben die Söhne erfahren, dass er einige Monate vor seinem Tod einen engen Kontakt zu mir gehabt hat, und sie wurden neugierig und wollten wissen, welcher Sinn diese Freundschaft gehabt hatte.
Sie erkundigten sich ausführlich über mich und suchten mich in meiner Praxis auf. Erfreut und erstaunt über diesen Besuch habe ich mich ihnen geöffnet und mitgeteilt, dass ihr Vater für mich kein Freund sondern ein Meister war, dessen Lehren tief in mich eingesunken sind.
Diesem weisen Menschen habe ich stumm zugehört und dabei sehr vieles für mein eigenes Leben gelernt. Einige Male habe ich mir die Frage gestellt, welchen tieferen Sinn das Leben in sich birgt. Der Mann hat mich an seinem persönlichen Sinn teilhaben lassen. Während stundenlanger Gespräche habe ich das Gefühl gehabt, dass ich in einem Ozean voller Liebe schwimme mit einer unbekannten Tiefe. Wie tief mussten seine Gefühle für seine Familie sein. Ich weiß es nicht. Auch wenn ich versucht habe, bis zum Boden einzutauchen, konnte ich die Dimensionen seiner Empfindungen nicht nachvollziehen, denn es war sein eigener Ozean, in dem ich mich befunden hatte.
Einander zu verstehen, zu verschmelzen und zuzuhören, hält einem immer auch den eigenen Spiegel vor Augen. Man fängt unwillkürlich an, sich mit der Situation zu verbinden. Dieses Erlebnis erweckte in mir den Wunsch, die Welt in jedem Augenblick voller Liebe zu umarmen, denn das ist der wahre Reichtum unserer Gefühle und Emotionen. Durch meine Erzählung erhoffte ich mir, bei den Söhnen einen Impuls zu schaffen, sich ein wahres Bild ihres Vaters und der Welt, in der er gelebt hatte, zu machen.
Sie waren sehr betroffen und Traurigkeit überkam ihre Herzen. Die beide haben mir gezeigt, dass sie von ihrer Mutter ein anderes Bild vermittelt bekommen hatten.
Ich erhoffte mir durch meine Zuwendung, dass sie sich nun ein eigenes Bild von ihren Eltern machen durften.
Der jüngere Sohn sagte zu mir, dass ich durch meine Erzählungen sein Herz geöffnet habe. Nun hatte er eine leise Vorstellung, wer sein Vater wirklich war. Auch der ältere war sehr traurig, weil er seit langem wieder das Lächeln seines Vaters vermisste. Ein herzliches Lächeln voller Liebe.
Es kam der Tag, an dem ich mit zwei erfolgreichen Akademikern an seinem Grab auf dem Friedhof stand.
Ein einfaches und bedeutungsloses Grab. Da habe ich wieder sein Lächeln gesehen auf dem Foto des Grabsteins, und ich habe die beiden Söhne gesehen, die mir den Eindruck vermittelt haben, wie ein sehr bedeutender Mann in einem einfachen Grab liegt und wie arm und einsam sich die beiden Kinder im Angesicht des Fotos ihres Vaters gefühlt haben. Sie vermissten aus tiefstem Herzen seine Liebe. Ich hatte in diesem Moment einen Einblick bekommen wie unglücklich ein Mensch ohne Liebe ist.
In seinem Testament hat er einen kleinen Betrag für seine Kinder hinterlassen, wofür er jahrelang gespart hatte. Für die Söhne war es wenig, für den Vater jedoch ein Reichtum.
Als ich am Grab zwischen den beiden Kindern und dem Bild des Vaters stand, dachte ich so bei mir „Reichtum für den Vater und Armut für die Kinder“.
Dies war für beide eine tiefe Erfahrung des wahren Lebens und der bedingungslosen Liebe eines Vaters. Für sie ist eine Welt verloren gegangen, die sie nie wirklich kennen gelernt haben und dennoch äußerst vermissen.
Schlussgedanken des Heilers:
Als du geboren wurdest, haben alle gelacht und du hast geweint.
Wenn du stirbst, wirst du mit einem Lächeln gehen und alle anderen weinen.
Doch dich erwarten die Krönung und die bedingungslose göttliche Liebe.
Herzlichst
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Letzte Änderung dieser Seite am 23.08.2011, 15:25 Uhr
